Kampf dem Rauch

Die Leistungsfähigkeit sinkt, es ist teuer und kann tödlich enden. Dennoch ist das Rauchen eine der am weitesten verbreiteten Süchte bei uns. Einmal damit angefangen fällt es bemerkenswert schwer wieder damit aufzuhören. Für mich fing es 1998 damit an und es verfolgt mich bis heute.

Eigentlich fing es ganz harmlos an, wir hatten beim Bund einen Oberstabsfeldwebel der Kettenraucher war. Mindestens einmal je Stunde hieß es daher bei uns Raucherpause und der Rest bewacht das Büro. Tja, der Rest war ich. Das saß ich nun. Regelmäßige Pausen und Gespräche mit den Kameraden waren dem Bürodienst jedoch vorzuziehen, also ging ich irgendwann mit. Mal da eine Kippe geliehen und mal dort und ehe man sich versieht steht man im Tabakladen und kauft sich die eigene Schachtel. Immer nur Schnorrer sein geht ja auch nicht.

Es folgten viele Versuche damit aufzuhören. Getreu dem Motto, wenn man einmal aufhört, schafft man das immer wieder. Mal waren es ein paar Tage, mal ein paar Wochen. Immer wieder kam etwas dazwischen, ob es der Prüfungsstress war und intensive Zeiten auf Arbeit wie Wahlkämpfe oder Parteitage. Sehr clever, in Zeiten hoher Belastung etwas zu sich zu nehmen, dass die körperliche Leistungsfähigkeit noch mehr einschränkt.

Doch 2011 war es dann endlich soweit. Die Finanznot trieb mich mehr an als die Vernunft. Doch ganz genügt hat auch das nicht. Im Sommer kaufte ich mir eine dieser neumodischen E-Zigaretten. Angeblich sollen dort ja ein paar Giftstoffe weniger als im Original sein. Und billiger war es auch. Der erste Erfolg: durch das umständliche Nachfüllen beschränkte sich das Rauchen immer mehr auf die reine Suchtbefriedigung und die Momente reinen Zeittodschlagens wurden immer mehr zurück gedrängt (Wer kennt das nicht? Der Bus kommt erst in zehn Minuten, also erstmal eine rauchen).

Beim Teltower Stadtfest 2011 passierte dann etwas, im Nachhinein, sehr Gutes. Auf irgendeinem der Fahrgeschäfte hatte ich die E-Zigarette in der Brusttasche des Sakkos und sie zerbrach. Das ganze Sakko stank nach dem Zeug, es war widerlich. Eine neue E-Zigarette kaufte ich mir nicht mehr. Wenige Tage später kam ich mit Blinddarmdurchbruch ins Krankenhaus, hier war an Rauchen nicht mehr zu denken. Und danach war Schluss.

Die neugewonnene Energie bemerkte ich insbesondere beim Laufen. Strecken die für mich vorher die reinste Qual waren gingen nun locker voran. Die Lunge spielte wieder mit. Ein Jahr später lief ich sogar meinen ersten Marathon. Das hätte ich vorher sicher nicht so gut geschafft.

Die Jahre gingen ins Land und dennoch, immer wieder kam das Gefühl, dass eine kleine Zigarette doch nicht schaden würde. Zuerst siegte die Vernunft. Nein. Doch nach und nach unterlag sie. Bei dieser oder jener Party, nach dem einen oder anderen Glas Bier, rauchte ich dann doch wieder eine mit. Und im letzten Jahr, beim „Marathon“ der Weihnachtsfeiern, wo außer mir fast jeder rauchte, führte das zu vielen Abenden mit mehr als nur ein oder zwei geschnorrten Zigaretten. Und schon bald waren es wieder die eigenen, nicht nur bei Feiern, sondern auch zuhause und auf Arbeit.

Bei den ersten Trainingsläufen nach der Winterpause spürte ich die Rache der Lunge. Selbst auf kurzen Strecken blieb die Luft weg. Es wurde wieder Zeit aufzuhören. Ein paar Tage im Februar und ein paar Tage im März waren durchaus rauchfrei. Doch wo die Sucht im Kopfe wohnt ist der Wille meist schwach.

Nach Ostern hatte ich das Glück mal wieder erkältet zu sein, etwas, dass in den rauchfreien Jahren so gut wie nie vorkam. Zumindest nicht so lang und heftig. Das half ein paar Tage nicht zu rauchen. Was noch half war ein kleines bisschen Knoblauch, wenn das Verlangen zu sehr wuchs und an der Bushaltestelle statt der Zigarette ein immer griffbereiter Apfel. Und dennoch, wieder jeder Vernunft kämpfe ich bei jedem Einkauf (dankenswerterweise steht man an der Kasse ja lang genug vor den Zigarettenregalen) mit dem Gedanken, dass nur noch eine Schachtel zu kaufen nicht schaden wird. Zuhause hatte ich schon die Schuhe an und wollte los, bevor ich es mir doch noch überlegt habe und einen Apfel aß oder etwas Knoblauch. Die ersten Tage sind besonders schlimm, doch das Verlangen kommt auch später immer wieder hoch. Knoblauch, Äpfel und das Hoffen, das die Vernunft doch einmal stärker ist. Das kann helfen. Noch viel mehr hilft allerdings, wenn man mit Freunden laufen geht und sie ziehen lassen muss, weil man keine Luft mehr bekommt und keuchend am Straßenrand steht. Eitelkeit siegt vor Vernunft, hier mal zum Guten.

Und was will ich damit sagen? Drückt mir Daumen, dass ich dieses Mal durchhalte. Und Kinder: fangt gar nicht erst mit diesem Mist an!