Ü30

Nach dem Halbmarathon, in Potsdam, begann die sommerliche Trainingszeit. Als über Dreißigjähriger, um genau zu sein Dreiunddreißigjähriger, der früher bis auf die kurze Zeit im Schwimmverein und die Monate bei der Bundeswehr keinen regelmäßigen Sport gemacht hat, verlangt das einiges an Motivation.


Vor einem Lauf hat man immer noch eine besondere Motivation los zu ziehen, wenn der nächste richtige aber einige Monate entfernt ist, wird’s schwierig. Gerade dann, wenn es Sommer ist und bis in den späten Abend hinein der Schweiß schon läuft, wenn man sich vom Sofa vorbeugt, um die Fernbedienung zu erreichen. Dazu kam dann auch noch die Übertragung von Olympia, die in den Abendstunden nicht pausiert hat.

Das weitaus größere Problem war aber, dass keiner mehr mitlaufen wollte. Der eine musste verständlicherweise zu Hause bleiben, weil die zweite Tochter auf dem Weg war. Einer kam aus fernen Gefilden zurück, meint aber nach einem Jahr voller Hotelaufenthalte, Flugreisen und Autotouren, aber gänzlich ohne Sport, keine Runden über fünf Kilometer mitzulaufen. Und ein dritter meinte nach langer verletzungsbedingter Pause: „Lass uns laufen bis ich kotze.“ Ja, genau das hat er gesagt und es hat nicht lang gedauert, dann war es soweit.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich es dann doch geschafft, regelmäßig zu laufen. Da ich mir das große Ziel Marathon gesetzt habe, wurde ich dann irgendwann etwas mutiger bei der Länge der Trainingsstrecken.

Als erstes sollte die 25-Kilometer-Marke fallen. Bei diesem Lauf habe ich endlich meinen lang gehegten Wunsch in die Tat umgesetzt, mal eine Runde über unseren östlichen Nachbarort Großbeeren zu laufen. Es ging also über Ruhlsdorf hinaus, quer über die Rieselfelder, am Bahnhof entlang nach Großbeeren. Entlang der Wasserskistrecke kann man nasse Menschen beobachten, die sich an einem Strick übern See ziehen lassen, weiter geht es zum Gedenkturm, diesem wunderschönen Bauwerk, dass der Kreis Teltow 1913 errichten ließ, zur Erinnerung an die Schlacht von Großbeeren, deren siegreicher Ausgang vor erneuter französischer Besetzung bewahrte. Dann immer geradeaus und irgendwann links ab, und schon ist man wieder im heimatlichen Teltow. Am Grenzstreifen entlang, mit kurzem Schlenker über Berlin und Kleinmachnow, ging es nach Hause.

 


Ich dachte mir vorher, es sind ja nur ein paar Kilometer mehr, als beim Halbmarathon, das kann nicht schwer sein. Aber gerade die letzten zwei Kilometer habe ich schon sehr deutlich gemerkt. Es war wohl ein Fehler, nur mit den 375 Millilitern Wasser loszulaufen, die in meinen Trinkgürtel passen und das mitten im Sommer, auch wenn es schon in den Abend hinein ging.

Aus dem Wasserfehler beim 25er habe ich gelernt. Als ich mich am 28. August auf gemacht habe, die 30 Kilometermarke zu knacken, habe ich mir durch Freunde an vier Stellen Wasser und Äpfel reichen lassen. Danke an Barbara, Ziggy und Enrico für die Hilfe!


Der Unterschied zu 25er war positiv bemerkbar. Als ich des Nachts wieder zuhause ankam, war ich nicht wirklich erschöpft und hatte auch nicht das Gefühl nicht mehr zu können, was ich aber sehr intensiv gespürt habe, das waren meine Knie. Nicht so sehr beim Laufen, aber als ich damit aufgehört habe. Dass ich das in drei Stunden und vierzehn Minuten geschafft habe, macht mir Hoffnung, das ich beim Marathon nicht wesentlich langsamer als viereinhalb Stunden sein werde, mal sehen ob es klappt. Das mag nicht schnell sein, aber in diesem Jahr geht es für mich um das ins Ziel kommen.


Was bleibt? Ich bin an diesem Abend 32 Kilometer gelaufen, vermutlich so viel wie noch nie zuvor in meinem Leben an einem Stück. Endlich bin ich nicht nur an Jahren, sondern auch an Kilometern Ü30.

Ach ja, zwischendurch war noch der City Nacht Lauf in Berlin, hier habe ich das zweite Mal geschafft unter 50 Minuten auf zehn Kilometer zu bleiben (0:49:28), aber hier hab ich dann doch gemerkt, dass das auch wirklich eine Grenze für mich ist. Man wird halt nicht jünger und um 85 Kilogramm in Bewegung zu setzen, braucht es seine Zeit.

 

Hier die Strecke des 32er Trainingslaufs:

32 Kilometer